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“Einen wilden Stier kann man nicht im Zoo halten“: Buch über die Stierkampfkunst auf den Balearen

Die Meinungen über Stierkämpfe gehen in Spanien und auch auf den Pityusen weit auseinander: Während die eine Seite die Kämpfe als kulturelle und künstlerische Ausdrucksform sieht, deren Tradition gewahrt werden soll, ist die andere gegen die barbarische Tierquälerei, die unbedingt verboten werden sollte.

Der gebürtige Barcelonese Raúl Felices veröffentlichte bereits im Mai 2010 das Buch “Catalunya Taurina“ über die Stierkämpfe in Katalonien, nur wenige Monate, bevor diese am 28. Juli 2010 offiziell verboten wurden. Jetzt hat er einen weiteren Band geschrieben, in dem er sich mit der Stierkampfkunst speziell auf den Balearen auseinandersetzt.

“Tauromaquia Balear“ heißt das Buch, das im Verlag Bellaterra erschienen ist und stolze 624 Seiten umfasst. Eines der Kapitel handelt von der ehemaligen Kampfarena in Ibiza-Stadt. Stierkampf-Nostalgiker kommen bei “Tauromaquia Balear“ auf ihre Kosten: Im Anhang sind zahlreiche Fotos und alte Plakate abgebildet.

Ursprünglich hatte Felices geplant, die Geschichte des Stierkampfs in Katalonien und auf Mallorca, Ibiza und Menorca in einem einzigen Buch abzuhandeln. “Nachdem ich feststellte, wie umfangreich die Unterlagen allein zu Katalonien waren, habe ich beschlossen, nicht beide Regionen gleichzeitig, sondern nacheinander zu beschreiben“, verrät der Autor. Rund vier Jahre lang haben die Recherchen und die Niederschrift für “Tauromaquia Balear“ gedauert.

Obgleich der Stierkampfplatz auf Mallorca eine ungleich größere Bedeutung und reichere Geschichte hat, geht Felices auch auf die Tradition auf Ibiza ein. Das “Coliseo de Sant Rafael”, wie die inzwischen abgerissene Stierkampfarena hieß, wurde am 17. September 1961 feierlich an dem Ort eröffnet, wo heute hinter dem Hafen von Ibiza-Stadt der Parkplatz Plaza de es Pratet ist.

Der Plaza de Toros auf Ibiza, so berichtet der Autor, sei schon immer touristischer genutzt worden als der auf Palma de Mallorca, etwa für Konzerte oder Vorführungen. Stierkämpfe hatten auf Ibiza eine eher untergeordnete Stellung, “trotzdem war auch diese Arena wichtig für die Balearen“, bekräftigt Felices.

Auf Mallorca gibt es derzeit ebenfalls Bestrebungen, den unpopulär gewordenen Stierkampf endgültig zu verbieten. Felices ist dagegen: “Das ist absoluter Blödsinn!“ Ob es nun gefalle oder nicht, der Stierkampf sei “eine künstlerische, kulturelle und auch wirtschaftliche Ausdrucksform, die viele Arbeitsplätze produziert.“ Ein wilder Stier könne nach Meinung des Autors schließlich auch nicht im Zoo gehalten werden.

Text: cal, Foto: Luisa Drehsen  / pixelio.de