APANIB: „Die Regeln bei uns werden härter, während andere Destinationen flexibler werden“

Interview mit Alvaro Aguirre Arroyo, Chef von One Day Charter und APANIB-Präsident

Alvaro Aguirre Arroyo wurde 1976 in eine Familie geboren, die eng mit dem Meer verbunden ist. Sein Vater war Kapitän der Handelsmarine.

Sein Großvater gehörte zu den ersten Apnoetauchern und Sportfischern in Asturien, und ebenso dem Meer verbunden war sein Onkel, der Tauchunterricht im Hafen von Gijón gab. Alvaro betreibt auf Ibiza die Firma One Day Charter und ist Chef des Berufsverbands APANIB.

Interview mit Alvaro Aguirre Arroyo, Chef von One Day Charter und APANIB-Präsident

Hola Alvaro! Kannst du uns etwas über deinen beruflichen Werdegang erzählen?

Ich selbst bin praktisch mein ganzes Leben auf dem Wasser unterwegs. Meinen Wehrdienst leistete ich in der Spezialeinheit der Kampftaucher in Cartagena. Ich habe den Atlantik 16 Mal überquert, einige Male sogar im Rahmen der renommierten Regatta ARC.

Heute gebe ich Unterricht für Kapitäne. In der Sommersaison organisieren wir Charter. Außerdem bin ich Präsident von APANIB, der Vereinigung der kleinen und mittleren nautischen Unternehmen der Balearen. Als deren Vertreter kann ich die Probleme in unserem Sektor sowohl aus der operativen Praxis als auch aus der Perspektive von Regulierung und Verwaltung betrachten.

Welche Neuerungen kommen 2026 auf den Charter-Sektor in Ibiza zu?

Wir stehen vor einem massiven Regelwechsel. Zum einen hat die balearische Regierung eine neue Vorschrift verabschiedet, die den „Charter pro Platz“ verbietet, also den Verkauf einzelner Plätze auf einem Boot – ein Geschäftsmodell, das im Mittelmeer sehr verbreitet ist und besonders für Paare, Alleinreisende oder kleine Gruppen attraktiv ist.

Gleichzeitig wurden die Bedingungen für den Betrieb verschärft: mehr administrative Anforderungen, strengere Flaggenvorschriften und in einigen Häfen Einschränkungen beim Zugang über Rampen, wenn kein fester Liegeplatz vorhanden ist.

All das geschieht in einem Moment starker internationaler Konkurrenz durch Ziele wie Kroatien, Griechenland oder Italien, die deutlich flexiblere Bedingungen bieten. Wenn man zudem die geopolitischen Spannungen mit Iran und die steigenden Treibstoffpreise berücksichtigt, könnte man diesen Sommer von einer „perfekten Sturmkonstellation“ sprechen.

Wie beurteilst du die aktuelle Lage für die lokalen Anbieter?

Ehrlich gesagt, besorgniserregend. Viele kleine Anbieter arbeiten seit Jahren professionell und regelkonform, sehen sich nun aber mit neuen Regeln konfrontiert, die ihre funktionierenden Geschäftsmodelle faktisch abschaffen. Besonders kleine Betriebe und Selbstständige leiden, da sie weniger finanzielle Stabilität haben, um sich schnell anzupassen. Gleichzeitig steigt der Druck durch Kontrollen, Bürokratie und das Risiko von Strafen. Das schafft große Unsicherheit bei Investitionen, Personalplanung und der Vorbereitung auf die Saison.

Welche Probleme ergeben sich durch die neuen Vorschriften?

Die wichtigste Auswirkung ist weniger Angebotsfreiheit. Durch das Verbot des Einzelplatzverkaufs muss immer das gesamte Boot gechartert werden. Das verteuert alles und schließt viele Touristen aus. Die Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Destinationen machen den Betrieb auf den Balearen komplizierter als anderswo. Dann noch die rechtliche Unsicherheit: Häufige Änderungen ohne klare Abschätzung der Folgen führen zu organisatorischen Fehlern, die die ganze Saison gefährden können.

Was bedeutet das kurz gesagt?

Es besteht die Gefahr, dass seriöse lokale Anbieter bestraft werden, während die Kundschaft einfach in andere Destinationen ausweicht.

Interview mit Alvaro Aguirre Arroyo, Chef von One Day Charter und APANIB-Präsident

Welche Aufgaben hat die Vereinigung APANIB?

APANIB vereint Charter- und nautische Dienstleister auf den Balearen, überwiegend kleine und mittlere Betriebe. Die wichtigsten Aufgaben sind die Vertretung gegenüber Regierung, Staat und Wettbewerbsbehörden, der Dialog mit der Verwaltung für eine ausgewogene Regulierung zwischen Ökologie und Ökonomie und die Unterstützung der Unternehmen in komplexen Rechtsangelegenheiten. Wir sprechen offen über die wirtschaftliche Realität der Familien, die vom Meer leben.

Welche Erfolge hat APANIB seit der Gründung 2024 erzielt?

Trotz des jungen Alters einige wichtige Fortschritte. Dank unserer Öffentlichkeitsarbeit hat die spanische Wettbewerbsbehörde bestimmte Einschränkungen im Sektor geprüft und kritisiert. Regulatorische Maßnahmen wurden vor Gericht gebracht, um ihre Verfassungs- und EU-Rechtskonformität überprüfen zu lassen. Der Sektor hat erstmals strukturierte Daten zu Arbeitsplätzen, Tourismus und Wettbewerbsfähigkeit erstellt. Insgesamt ist die Branche heute besser organisiert und stärker vertreten als noch vor zwei Jahren.

Welche Forderungen stellt die Branche an die Behörden?

Wir erwarten drei Dinge: Zuhören, Verhältnismäßigkeit und Rechtssicherheit. APANIB fordert keine völlige Liberalisierung, sondern klare und faire Regeln, statt pauschaler Verbote klare Limits für Bootslänge, Kapazität, Zonen und Ankerplätze, eine konsequente Kontrolle von Verstößen statt dem Verbot ganzer Geschäftsmodelle, die Gleichbehandlung technisch vergleichbarer Boote und die Harmonisierung mit nationalen und europäischen Regeln.

Was ist deine Vision für die nächsten Jahre?

Ziel ist es, Ibiza und die Balearen als nautische Paradiese zu erhalten, aber auch als Ort, an dem lokale Unternehmen unter stabilen und fairen Wettbewerbsbedingungen gedeihen können. Meeresschutz und Ökonomie sind kein Widerspruch, sie müssen unbedingt zusammen betrachtet werden.

Danke und einen guten Start in die Charter-Saison!
Das Gespräch führte Friederike Diestel

Kontakt:

ASOCIACIÓN PYMES DE ACTIVIDADES NÁUTICAS DE ISLAS BALEARES
Webseite: www.apanib.es

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