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“Es hat mich psychisch fertig gemacht, meine Kinder morgens da hin zu bringen.”

Masken im Unterricht und soziale Distanz: Deutsche Ibiza-Mama nimmt ihre Kinder von der Schule

Nina lebt seit 15 Jahren auf Ibiza. Sie stammt ursprünglich aus Norddeutschland, ist verheiratet, berufstätig und hat zwei Kinder im Alter von sechs und acht Jahren. 

Normalerweise besuchen diese die Schule in Puig d’en Valls, doch wenige Tage nach Schulstart im Herbst entschied ihre Mutter, sie nicht mehr zum Unterricht zu bringen. 

Hallo Nina! Wurdet ihr irgendwie vorbereitet auf den Schulbeginn? Auf was mussten sich die Eltern einstellen?

Erst die Schulschließung im März, April und Mai, und dann der Sommer, das war eine lange Pause. Keiner wusste, wie es wirklich los- und weitergeht. Man hatte viele Gerüchte gehört. Ich habe das Thema ein bisschen vor mir hergeschoben und nicht wahrnehmen wollen. Dann kam der September und es hieß Schulbeginn mit Maskenpflicht und den neuen Distanz-Regelungen.

Was stört dich an den Maßnahmen?

Dass die Kinder eben auf soziale Distanz gehen müssen, dass die Klassen verkleinert werden und dass die Maske ständig getragen werden muss, auch draußen. Diese Infos kamen sehr kurzfristig. Ich hatte gehofft, dass sie die Maske nur beim Rein- und Rausgehen tragen müssen, also am Tor, aber nicht im Klassenraum. Ich hatte gehofft, dass das die Lösung sein wird. Das hätte ich akzeptieren können.

Welche Nachteile und Risiken siehst du im Maskentragen?

Sehr viele Risiken. Gesundheitliche, also körperliche Schäden, wenn meine Kinder sie dauerhaft aufsetzen müssen, aber auch psychisch sehe ich eine sehr große Problematik darin. Mein Sohn ist sechs Jahre alt und ist in die erste Klasse gekommen. Er lernt gerade schreiben, lesen, rechnen. Dazu gehört ja auch, von den Lippen abzulesen. Mein Mann ist Rumäne, wie sprechen Englisch, Deutsch und Spanisch zu Hause. Für ihn ist das Lippenlesen sehr wichtig, um zu lernen, wie etwas ausgesprochen wird. Und das geht nicht, wenn die Lehrer eine Maske tragen.

Welche Bedenken hast du bezüglich der Masken?

Die gesundheitlichen Schäden auf jeden Fall. Es ist ja schon öfters gesagt worden, dass sie nachweislich nicht gegen das Virus helfen. Die Kinder müssen sie fünf Stunden in der Schule auf lassen, draußen und drinnen. Nur beim Trinken und Essen dürfen sie sie abnehmen. 

Kinder lernen ja durch Imitation und gewöhnen sich schnell an etwas. Es ist ein sehr befremdlicher Anblick, die kleinen Kinder mit Maske auf dem Schulhof rennen zu sehen. Welche Konsequenz hast du daraus gezogen?

Die erste Schulwoche ging los und die ersten Elternversammlungen fanden statt. Da war ich eigentlich ganz positiv und dachte, wir probieren es eine Woche als Test. Für mich war es aber absoluter Stress und für meine Kinder auch. Wenn man morgens kommt und die Kindern bringt, oder um 14 Uhr abholt, dann sind da die ganzen Kinder und ihre Eltern mit Maske. Es hat mich psychisch fertig gemacht, meine Kinder da morgens hin zu bringen. Es war für mich kein freundlicher Ort mehr, es ist, als ob ich sie in den Knast bringe.

Was hast du nach der ersten Woche gemacht?

Ich habe das Gespräch gesucht mit der Direktorin und wollte schauen, wie die Tendenz ist und ihre Einstellung. Sie hat sich nur immer auf das berufen, was von Oben kommt. Das hat mir nur noch mehr Angst gemacht. Wer weiß, was die Behörden morgen entscheiden? Und dann habe ich vielleicht gar kein Recht mehr, als Elternteil mitzuentscheiden, sondern die Behörden machen einfach mit meinem Kind, was sie wollen. 

Als Mutter möchtest du beruhigt zur Arbeit gehen und wissen, dass es deinem Kind gut geht. Es gibt Fälle von Schulkindern in China und Deutschland, die kollabiert sind. Was äußerten sich deine Kinder nach der ersten Woche? 

Also meine Tochter hat mir gesagt, dass sie in der ersten Woche immer Kopfschmerzen hatte.

Das war dann für mich genug, zusammen mit dem, was ich morgens gesehen habe, dieser Energie. 

Die Kleinen werden drangsaliert mit Verboten?

Ja, die Kinder werden total distanziert. Es wird ihnen die ganze Zeit gesagt, dies und jenes nicht anzufassen, sich nicht zu umarmen. Und man sieht ja keine Mimik: Lacht der jetzt oder steckt er mir die Zunge aus? Auch wurden sie die ganzen Jahre ja erzogen, zu teilen, Material, Bücher zu teilen, Bleistifte, und nett zueinander zu sein, sich anzulächeln. Diese emotionale Intelligenz wird komplett gelöscht.

Gibt es andere Eltern, die deine Sichtweise teilen? 

Zumindest von den Klassen meiner Kinder weiß ich, dass ich die Einzige bin, die ihre Kinder von der Schule genommen hat. Ich bekomme aber viel Schulterklopfen. 

Wie kommst du zurecht damit, die Kinder nun wieder Vollzeit zu betreuen?

Ich habe meine Eltern auf der Insel und Freunde, die mir helfen, die Kinder zu managen. Im Moment ist es schwierig, auch finanziell. Gerne hätte ich einen Privatlehrer, kann ich mir aber leider zurzeit nicht leisten. Auch keine Nannys. Von daher versuche ich, meinen Arbeitsalltag darauf abzustimmen. Ich habe ein gutes soziales Netzwerk. Ich habe mich informiert, was die Kinder lernen müssen. 

Wie hat die Direktorin reagiert? Hat sie Konsequenzen angekündigt?

Am zweiten Montag nach Schulbeginn habe ich ihr eine Email geschrieben und neutral meine Bedenken geäußert, dass ich unter diesen Bedingungen im Moment die Schule nicht als sicheren Ort empfinde und dass sich meine Kindern unter diesen Voraussetzung meiner Meinung nach nicht ordentlich entwickeln können. Dann hab ich später nochmal an die Lehrer einzeln nochmal eine Kopie geschickt und nach vier Tagen von der Direktorin eine Antwort bekommen, dass sie das mit dem Schulamt besprochen hätte, und dass das natürlich so nicht geht. Sie meinte, wenn ich auf Homeschooling gehen möchte, könnte ich mich mit dem Schulamt in Verbindung setzen.

Wäre Homeschooling für dich eine Lösung? 

Nein, ich möchte sie ja zur Schule bringen. Deswegen warte jetzt einfach mal ab und hoffe, dass es sich ändert. Der Gerichtshof in Madrid hat ja schon im September entschieden, dass die Maskenpflicht an der Schule nicht zulässig ist.  

Vielen Dank für deine Zeit und weiterhin starke Nerven!

Das Gespräch führte Friederike Diestel

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Text: die / Fotos: red
Copyright: Ibiza Kurier – Die deutsche Zeitung für Ibiza und Formentera