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Inselregierung möchte 8.000 Quadratmeter großes Migranten-Lager auf Ibiza errichten

Trotz geschlossener Grenzen: Allein im Jahr 2020 kamen insgesamt 35 Boote auf den Pityusen an

Die illegale Einwanderung nach Spanien nahm im Frühling wieder Fahrt auf: Insgesamt kamen bis Ende April zu Wasser und zu Lande 8.340 Migranten ins Land.

Das sind 36,2% mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2020. Die meisten von ihnen (7.737) wählten den Seeweg. Die Kanarischen Inseln sind nach wie vor mit einem Anstieg von 133,9% gegenüber dem Vorjahr am stärksten von der Invasion betroffen.

Doch auch die Pityusen sind ein attraktives Ziel, stellt die Inselgruppe doch eine Schengen-Außengrenze dar. Am 13. Mai fing die Guardia Civil eine Gruppe Einwanderer ab, die gegen 22.30 Uhr auf Formentera bei Es Migjorn von Bord eines Segelboots gingen. Wie die Behörden mitteilten, bestand die Gruppe aus fünf jungen Männern, die bei guter Gesundheit waren. 

Eine mobile Polizeieinheit führte Covid-Tests und brachte die Migranten auf die Polizeistation, von wo sie der Policia Nacional auf Ibiza überstellt wurden. 

Die Ankunft von Booten auf Ibiza und Formentera war in den rauen Wintermonaten zurückgegangen, doch nicht versiegt. Zuletzt wurden Ende März elf Einwanderer in einem in Es Codolar ankommenden Boot abgefangen. Das erste Boot des Jahres war am 5. Februar mit 16 Einwanderern in der Nähe von Cala Vedella entdeckt worden. Im Jahr 2020 kamen insgesamt 18 Boote mit 210 Einwanderern auf Ibiza und 17 Boote mit 208 Einwanderern in Formentera an – ein Jahr mit historischen Aufzeichnungen.

Zu erschreckenden Bildern kam es Mitte Mai, als binnen drei Tagen rund 8.000 Menschen den spanisch-marokkanischen Grenzort Ceuta stürmten, darunter viele aggressive junge Männer, die die einheimische Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzten, aber auch zahlreiche Kinder und unbegleitete Minderjährige, die zum Teil an Land schwammen. 

Balearenpräsidentin Francina Armengol bot an, einen Teil der MENAs (Menores Extranjeros No Acompañados), wie die Minderjährigen genannt werden, zu übernehmen. Wer weiß, wie die Situation in den Heimen auf Mallorca und Ibiza ist, mag sich jedoch nicht vorstellen, was die Jugendlichen dort erwartet. 

Was erwartet Ibiza und Formentera diesen Sommer, wenn der Seegang gut ist und die Corona-Reisebeschränkungen innerhalb der EU wieder so gut wie aufgehoben sind? So sitzen auf der afrikanischen Seite des Mittelmeers hunderttausende Ausreisewillige auf gepackten Koffern. Bereitet sich die Inselregierung auf etwas Größeres vor? Hat sie deshalb – in weiser Voraussicht? – angekündigt, auf Ibiza ein 8.000 Quadratmeter großes Migranten-Camp zu errichten? 

Das Rathaus von Ibiza-Stadt teilte Anfang Mai mit, “ein provisorisches Lager für Bootsflüchtlinge” zu schaffen. Es handelt sich um eine Brachfläche hinter dem Kommissariat der Policia Nacional am Ortsrand, gelegen neben dem Fußballplatz Can Cantó an der Ecke der Calle des Cubells und der Calle Bisbe Beltrán, das über die städtebaulichen Genehmigungen verfügt, erschlossen zu werden. 

Durch die Schaffung des Auffangzentrums könne die “hygienische Isolation der Neuankömmlinge” gewährleistet werden, heißt es in einer Mitteilung. 

Die illegalen Grenzübertritte in die EU nehmen rasant zu. Schon jetzt haben sich auf manchen Routen die Zahlen im Vergleich zum letzten Jahr verdoppelt. Die meisten Aufgegriffenen sind männlich und hauptsächlich Syrer, Afghanen, Marokkaner und Malier. Allein in den ersten vier Monaten kam es laut der Grenzschutzagentur Frontex an den europäischen Außengrenzen zu 36.100 Aufgriffen – ein Drittel mehr als im gleichen Zeitraum 2020.

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Text: Friederike Diestel / Fotos: DDI
Copyright: Ibiza Kurier – Die deutsche Zeitung für Ibiza und Formentera 

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